Wie offen können Sie mit Ihrem Netzwerk sprechen?
Sie sind nicht auf Stellensuche. Jedenfalls noch nicht.
Aber Sie fragen sich, ob Ihre berufliche Zukunft weiterhin in Ihrem Unternehmen liegt. Ihr Auftrag hat sich verändert. Eine Entwicklungsperspektive ist ausgeblieben. Oder Sie möchten prüfen, wo Ihre Erfahrung außerhalb des vertrauten Umfelds gefragt wäre.
Ein Gespräch mit einem ehemaligen Kollegen oder einer Geschäftspartnerin liegt nahe. Man kennt und schätzt sich. Warum nicht einmal offen über die eigenen Überlegungen sprechen?
Weil Ihr Gegenüber möglicherweise etwas anderes hört, als Sie sagen möchten.
Aus „Ich denke über meine nächsten Jahre nach“ kann „Sie möchte wechseln“ werden. Aus einer vertraulichen Überlegung eine gut gemeinte Empfehlung an einen Personalberater. Und damit eine Information, über deren weiteren Weg Sie nicht mehr selbst entscheiden.
Das bedeutet nicht, dass Sie Ihr Netzwerk meiden sollten. Es bedeutet, jedes Gespräch so vorzubereiten, dass es zu Ihrem tatsächlichen Stand passt.
1. Klären Sie zuerst, was Sie herausfinden möchten.
Berufliche Neuorientierung und konkrete Stellensuche sind nicht dasselbe.
Vielleicht möchten Sie zunächst verstehen, welche Aufgaben in einer Branche entstehen. Vielleicht prüfen Sie, ob Ihre Erfahrung auch in einer anderen Unternehmensgröße relevant wäre. Oder Sie haben sich bereits für einen Wechsel entschieden und suchen gezielt Zugang zu passenden Unternehmen.
Diese unterschiedlichen Anliegen brauchen unterschiedliche Gespräche.
Bevor Sie jemanden ansprechen, sollten Sie deshalb einen Satz vervollständigen können:
„Nach diesem Gespräch möchte ich besser einschätzen können, …“
Zum Beispiel:
- … welche Herausforderungen Unternehmen in meinem Zielmarkt derzeit beschäftigen.
- … für welche Aufgaben meine Erfahrung außerhalb meines bisherigen Umfelds relevant sein könnte.
- … ob eine bestimmte Rolle meinen Vorstellungen von Verantwortung und Gestaltungsspielraum entspricht.
- … ob mein Kontakt einen gezielten Zugang zu einem passenden Unternehmen ermöglichen kann.
Je konkreter Ihr Erkenntnisinteresse ist, desto leichter können Sie entscheiden, welche Informationen Ihr Gegenüber dafür benötigt.
Sie müssen nicht Ihre gesamte berufliche Situation offenlegen, um eine fundierte Einschätzung zu einer bestimmten Frage zu erhalten.
2. Wählen Sie die Person nach dem Anliegen – nicht nur nach der Vertrautheit.
Ein langjähriger Kontakt kann Ihnen persönlich nahestehen und für Ihre Frage trotzdem nicht die richtige Person sein.
Vielleicht kennt er vor allem Ihr bisheriges Unternehmen, aber nicht den Markt, den Sie prüfen möchten. Vielleicht ist er eng mit Ihrer Geschäftsführung verbunden. Oder er hilft bevorzugt dadurch, dass er sofort andere Menschen einbindet.
Gerade gut vernetzte Personen können wertvolle Gesprächspartner sein. Ihre Vernetzung kann aber zugleich bedeuten, dass sich berufliche Kreise stärker überschneiden, als Ihnen bewusst ist.
Prüfen Sie deshalb:
Was kann diese Person tatsächlich einschätzen? Welche Verbindungen bestehen zu meinem aktuellen Umfeld? Und wie ist sie bisher mit vertraulichen Informationen umgegangen?
Vertrauen und fachlicher Nutzen sind zwei unterschiedliche Voraussetzungen. Für ein sensibles Orientierungsgespräch sollten beide berücksichtigt werden.
3. Sagen Sie, in welcher Phase Sie sind.
Sie können Ihr Anliegen offen benennen, ohne bereits eine feste Wechselentscheidung zu vermitteln.
Wenn Sie zunächst eine andere Branche verstehen möchten, könnte ein Einstieg so lauten:
„Ich beschäftige mich damit, wie sich Führungsaufgaben in Ihrer Branche verändern. Sie kennen diese Entwicklung aus der Praxis. Mich interessiert besonders, welche Erfahrung Unternehmen für die Integration übernommener Bereiche benötigen.“
Wenn Sie bereits persönliche Optionen prüfen, ist eine deutlichere Formulierung sinnvoll:
„Ich prüfe derzeit, welche beruflichen Perspektiven zu meiner Erfahrung und meinen Vorstellungen passen. Eine Wechselentscheidung habe ich noch nicht getroffen. Zunächst interessiert mich Ihre Einschätzung zu den Aufgaben in diesem Markt.“
Wenn Sie dagegen eine Vorstellung bei einem möglichen Arbeitgeber wünschen, reicht eine allgemeine Marktfrage nicht mehr aus. Ihr Gegenüber muss verstehen, für welche Aufgabe Sie infrage kommen möchten und was es über Sie sagen darf.
Diskretion verlangt keine Irreführung. Entscheidend ist, dass Sie Ihren tatsächlichen Stand zutreffend beschreiben und den Umfang des Gesprächs bewusst begrenzen.
4. Trennen Sie eine Einschätzung von einem Vermittlungsauftrag.
„Ich höre mich einmal für Sie um.“
Das kann ein hilfreiches Angebot sein. Es kann aber auch einen Schritt auslösen, den Sie noch gar nicht beabsichtigt haben.
Deshalb sollten Sie klären, ob Ihr Gegenüber nur eine persönliche Einschätzung geben oder bereits aktiv werden soll.
Für ein reines Orientierungsgespräch könnten Sie sagen:
„Vielen Dank. Mir geht es zunächst nur um Ihre Einschätzung. Bitte sprechen Sie noch niemanden auf meine Überlegungen an. Falls ein weiterer Kontakt sinnvoll erscheint, stimmen wir vorher ab, ob und mit welchen Informationen Sie mich vorstellen.“
Wenn eine Vorstellung gewünscht ist, werden die Vereinbarungen konkreter:
- Welche Person soll angesprochen werden?
- Darf Ihr Name genannt werden?
- Welche Informationen dürfen weitergegeben werden?
- Soll ein Profil versendet werden – und wenn ja, welche Fassung?
- Erfolgt vor der Kontaktaufnahme noch einmal Ihre Zustimmung?
Eine Bitte um Vertraulichkeit ist wichtig. Sie ersetzt aber nicht die Klärung dessen, was als Nächstes geschehen soll. Und sie bietet keine vollständige Sicherheit gegen eine Weitergabe.
5. Geben Sie berufliche Richtung statt interner Konfliktdetails.
Eine schwierige Situation im aktuellen Unternehmen kann der Anlass für Ihre Überlegungen sein. Sie muss deshalb nicht zum Mittelpunkt jedes Netzwerkgesprächs werden.
Ausführliche Schilderungen über einen neuen Vorgesetzten, interne Auseinandersetzungen oder schwindenden Rückhalt helfen Ihrem Kontakt nicht unbedingt dabei, Ihre nächsten Möglichkeiten einzuschätzen. Sie können außerdem vertrauliche Informationen berühren.
Für die berufliche Orientierung ist meist eine andere Beschreibung hilfreicher:
„Mein Aufgabenbereich hat sich stärker auf die operative Steuerung verlagert. Ich möchte prüfen, wo ich künftig wieder mehr Verantwortung für die Entwicklung eines Geschäftsbereichs übernehmen könnte.“
Damit erklären Sie, was Sie suchen, ohne interne Vorgänge auszubreiten oder eine andere Person abzuwerten.
Sie müssen Schwierigkeiten nicht beschönigen. Aber nicht jeder Kontakt braucht dieselbe Tiefe an Informationen. Persönliche Verarbeitung, strategische Einordnung und Markterkundung können unterschiedliche Gesprächsräume benötigen.
6. Werten Sie die Gespräche aus, bevor Sie Ihre Aktivität ausweiten.
Ein freundlicher Zuspruch ist noch keine belastbare Aussage über Ihre beruflichen Möglichkeiten.
„Mit Ihrer Erfahrung finden Sie bestimmt etwas“ kann ehrlich gemeint sein. Für Ihr weiteres Vorgehen ist jedoch wichtiger:
- Welche konkreten Aufgaben wurden genannt?
- Welche Ihrer Erfahrungen wurde damit verbunden?
- Spricht die Person aus eigener Kenntnis oder aus einer allgemeinen Einschätzung?
- Welcher nächste Schritt ergibt sich daraus tatsächlich?
Halten Sie außerdem fest, welche Informationen Sie wem gegeben haben und was zur weiteren Verwendung vereinbart wurde.
So vermeiden Sie, dass parallel mehrere Menschen mit unterschiedlichen Vorstellungen von Ihrer Suche aktiv werden. Und Sie erkennen besser, ob weitere Gespräche neue Erkenntnisse bringen oder lediglich dieselbe allgemeine Ermutigung wiederholen.
Diskret vorzugehen heißt nicht, unsichtbar zu bleiben.
Wer aus ungekündigter Position über einen Wechsel nachdenkt, steht vor einer anspruchsvollen Aufgabe: Sie brauchen Informationen und Zugänge, möchten aber nicht vorschnell als wechselbereit gelten.
Dafür gibt es keine risikofreie Standardlösung.
Zu große Offenheit kann Informationen in Umlauf bringen, bevor Sie dafür bereit sind. Zu große Zurückhaltung kann dazu führen, dass selbst geeignete Kontakte nicht verstehen, wobei sie Ihnen helfen könnten.
Der sinnvolle Weg hängt von Ihrer Position, Ihren Verbindungen, Ihrer beruflichen Richtung und dem Stand Ihrer Entscheidung ab.
Sie müssen noch nicht entschieden haben, dass Sie gehen. Aber Sie sollten wissen, was Sie mit dem nächsten Gespräch erreichen möchten.
Wenn Sie Ihre beruflichen Möglichkeiten prüfen möchten, ohne im bestehenden Umfeld vorschnell Wechselabsichten bekannt zu machen, unterstütze ich Sie bei dieser Vorbereitung. Wir klären Ihre Ausgangslage, die Richtung Ihrer Neuorientierung und welche Gespräche dafür sinnvoll sind.
In einem vertraulichen ersten Gespräch können wir gemeinsam einordnen, wo Sie stehen und ob meine Begleitung für Ihr weiteres Vorgehen passend ist.
Vertrauliche Anfrage:
https://margot-goverts.de/kontakt