15 December 2025

Executive-Search-Partner

Executive-Search-Partner

Was Executive-Search-Partner wirklich in einem Lebenslauf sehen wollen – Ein Blick hinter die Kulissen


Was passiert, wenn ein Partner einer Executive-Search-Boutique einen Lebenslauf zum ersten Mal öffnet? Welche wenigen Sekunden entscheiden darüber, ob ein Profil für ein C-Level-Mandat in Betracht gezogen wird – oder nicht?

Ein Gespräch mit einem langjährigen Partner aus der Executive Search hat sehr klar gezeigt, welche Faktoren in der Praxis den Unterschied machen. Und viele davon werden von Kandidatinnen und Kandidaten unterschätzt.


1. Das Big Picture muss in Sekunden verständlich sein


Executive Recruiter müssen sofort erkennen:


  • Welche Gesamtverantwortung eine Führungskraft aktuell trägt
  • Wofür die Person steht – fachlich, strategisch, kulturell
  • Wie sich die Rolle in die Unternehmensarchitektur einfügt


Unklare Titel, fehlende Verantwortlichkeiten oder überfrachtete Bullet Points erschweren die schnelle Einordnung – und zwar erheblich.

Lebenslauf

2. Die Entwicklung muss lückenlos nachvollziehbar sein

Ein professioneller Lebenslauf erzählt eine kohärente Karrierestory. Dazu gehören:


  • Alle Stationen ab höchster Schulbildung in sinnvoller Kürze
  • Eine klare, chronologische Logik
  • Keine erklärungsbedürftigen Lücken


Gerade für Executive-Search-Partner ist die einwandfreie Nachvollziehbarkeit ein Qualitätsmerkmal – sie signalisiert Struktur, Sorgfalt und Professionalität.


3. Ein abgeschlossenes Studium bleibt ein hartes Kriterium

Auch wenn Karrierewege vielfältiger geworden sind, bleibt ein Punkt konstant: Ein abgeschlossenes Studium ist für viele Executive-Boutiquen ein Mindestkriterium für C-Level- oder Direct-Report-Mandate. Nicht zwingend welches – aber dass es abgeschlossen wurde.


4. Weder Jobhopper noch Firmenlebenslängliche

Interessant ist die klare Haltung zu Karriereverläufen:


  • Zu kurze Verweildauern (unter ca. 2 Jahren) über mehrere Stationen hinweg: → Hinweis auf fehlende Stabilität oder Passung.
  • 20 Jahre und mehr im gleichen Unternehmen: → Überraschend kritisch gesehen. Personen, die extrem lange in einem System sozialisiert wurden, tun sich laut Recruitern häufiger schwer damit, sich in neue Kulturen einzufügen oder etablierte Muster loszulassen.


Ideal ist ein Lebenslauf, der zeigt:


  • mehrere mehrjährige Stationen
  • in unterschiedlichen, aber relevanten Kontexten
  • mit klar erkennbarer Weiterentwicklung


5. Vorsicht bei der Kombination: erst 15+ Jahre im gleichen Unternehmen, danach mehrere kurze Stationen

Diese Konstellation löst bei erfahrenen Executive-Search-Partnern besonders häufig Skepsis aus: Sie wird häufig interpretiert als:


  • tiefe Prägung durch ein spezifisches System
  • anschließend Schwierigkeiten, in neue Welten einzutauchen


In der Suchlogik: Erhöhtes Risiko für Mandanten.


6. Relevante Erfolge – klar, präzise und messbar

Ein weiterer Punkt, der oft unterschätzt wird: Headhunter erwarten relevante, quantifizierbare und kontextualisierte Erfolge.

Formulierungen wie „Nachhaltige Erfolge in…“ oder „Beitrag zu…“ beeindrucken in diesem Umfeld nicht.

Warum? Weil sie zu allgemein, nicht überprüfbar und nicht differenzierend sind.

Was hingegen überzeugt:


  • konkrete Zahlen (Umsatz, EBIT, Produktivität, Kostenstruktur, Time-to-Market etc.)
  • messbare Veränderungen
  • belegbare Transformationserfolge
  • klarer eigener Beitrag in komplexen Organisationen


Erfolge sind das Fundament der Glaubwürdigkeit – sie sind oft der entscheidende Faktor, ob ein Profil im Top-Funnel bleibt oder nicht.

Was bedeutet das für Führungskräfte?

Wer als Executive sichtbar bleiben möchte, sollte seinen Lebenslauf nicht nur als Dokument von Fakten sehen, sondern als strategisches Führungsinstrument.

Die wichtigsten Hebel:


  • Verantwortung klar und präzise beschreiben
  • Entwicklung stringent darstellen
  • Wechsel sauber begründen
  • Erfolge mit Zahlen belegen
  • Muster von Stabilität und Weiterentwicklung zeigen


Executive-Search-Partner beurteilen nicht nur Kompetenzen. Sie beurteilen Muster. Und diese Muster entstehen nicht im Interview – sondern bereits im ersten Blick auf den Lebenslauf.